"Bleib erschütterbar und widersteh!" (Peter Rühmkorff)
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Hier geht es zur Open Petition zum Erhalt des Stephanplatzes:
https://www.openpetition.de/petition/online/rettet-den-stephanplatz-in-karlsruhe

Dienstag, 13. Mai 2014

"Es reicht!"

 Heute in den "Badischen Neuesten Nachrichten"
 
Eigentlich scheint alles klar: Die Stadtpolitik will mit überwältigender Mehrheit, dass die Karl-Apotheke auf dem Stephanplatz bleibt. Alle Parteien machen sich dafür stark. Sie sind gegen eine massive Randbebauung des Platzes hinter der Postgalerie und gegen einen Abriss des einstigen Tankstellengebäudes im Bauhausstil von 1928. Doch Apotheker Christian Giese und seinem 20-köpfigen Team ist dadurch noch nicht die Sorge um ihre Zukunft genommen. Mit dem Rückhalt vieler Bürger, die sich auch per Unterschrift für eine langfristig gesicherte Zukunft des seit 72 Jahren am Platz betrieben Geschäfts einsetzen, fordern sie, dass die Bekenntnisse auch umgesetzt werden.
Giese sieht das über Jahrzehnte bestehende Vertrauensverhältnis mit der Stadt zerstört: Zwar spüre er den Rückhalt der Bürgerschaft und der Parteien und das Verständnis von OB Frank Mentrup. Der OB versicherte wiederholt, dass die Stadt keine konkrete Absicht habe, auch den Stephanplatz zu einer Großbaustelle zu machen. Dem Apotheker hat er zugesichert, dass die Politik bis Ende 2015 Klarheit schaffen werde. Das Liegenschaftsamt hat aber indessen Giese erneut eine Verlängerungsangebot des Mietvertrags um nur dreieinhalb Jahre von 2015 bis Ende 2018 schriftlich übermittelt. Damit wirke also weiter die Angst um die Existenz der Apotheke, betont Giese – wie sie Wirtschaftsdezernentin Margret Mergen 2013 ausgelöst habe, als sie der Apotheke das Ende am Stephanplatz in Aussicht gestellt habe. Ursache des Konflikts ist das Interesse eines Großinvestors, der an Stelle des dreischenkligen Flachbaus ein massives Haus setzten möchte. Im Rathaus macht man kein Hehl daraus. Auch dass der Eigentümer der Postgalerie deshalb auf die Stadt zugekommen ist, wird
dort bestätigt – mehr aber auch nicht. Vor allem Gerüchte, dass die Stadt dem Interessenten gegenüber in einer besonderen Pflicht stehe, werden als haltlos zurückgewiesen. Bat Giese zunächst um eine Verlängerung des im Februar 2015 auslaufenden Mietvertrags um fünf Jahre, so hat er – verunsichert durch das Verhalten der Stadt und gestützt durch den öffentlichen Rückhalt – nachgelegt. Er fordert jetzt eine Vertragszeit von zehn Jahren plus einseitige Option von fünf Jahren – also bis 2030. „Das Rathaus antwortet nicht auf unsere Briefe“, klagt auch Pia Deckwart, Sprecherin des Apothekenpersonals. „Wir haben seit einem Dreivierteljahr Angst um unsere Arbeitsplätze“, sagt sie.
Baubürgermeister Michael Obert bestätigt zwar „auch andere Überlegungen im Rathaus“, sieht aber angesichts der öffentlichen Bekenntnisse der Parteien keine Chance für eine andere Bebauung am Stephanplatz. Zudem erinnert er daran, dass die Stadt auch schon vor 20 Jahren Giese prinzipielle Überlegungen zu einer anderen Bebauung am Stephanplatz habe wissen lassen. Obert erkennt, dass sich eben nun die Privatinteressen des Apothekers und des Großinvestors gegenüberstünden.
Er selbst ist „aus zwei Gründen“ gegen eine Neubebauung: Die Rückseite der Postgalerie mit der historischen Fassade der Hauptpost solle gut sichtbar bleiben. „Außerdem verändern wir gerade unheimlich viel in der Stadt, da soll man Vertrautes auch mal lassen.“


Kommentar von Rupert Hustede:

Es reicht!

Der Stephanplatz ist nicht der Nabel der Welt. Auch muss es dort die Karl-Apotheke im Flachbau einer 1978 nach 50 Jahren eingestellten Tankstelle nicht für alle Ewigkeit geben. Nicht alles, was heute lieb und teuer ist, kann Bestand haben, wenn sich eine Stadt entwickelt wie das boomende Karlsruhe. Für Abriss und Verdrängung sind aber gute Gründe unverzichtbar. Das Vertraute darf nicht jeder Vermarktungsidee zum Opfer fallen. Es gilt also stets abzuwägen. Das Gewinnstreben eines Investors allein ist kein Maßstab. Es kommt auf den Nutzen für die Allgemeinheit, auf das Heimatgefühl der Karlsruher und auf den Sinn einer weiteren Großbaustelle für die Verdichtung der City an. Dass diese Rechnung nicht aufgeht, spüren auch die Parteien. Selten war sich die Stadtpolitik mit Ausnahme vielleicht der Wirtschaftsförderer so einig: Karlsruhe will den Stephanplatz mit dem Brunnen und dem Markt, mit der Apotheke und seinen offenen Seiten behalten. Die Stadt verabschiedete sich bereits vor 20 Jahren von der Idee der Blockrandbebauung – und der Platz wurde um 2000 neu gestaltet. Das Thema muss nicht künstlich am Köcheln gehalten und damit die Bürger sowie „ihre“ Karl-Apotheke verunsichert werden. Den Worten der Rathausspitze könnte schnell die Tat folgen. Warum noch eineinhalb Jahre darüber brüten, was jetzt schon klipp und klar zu sagen ist? Die Entscheidung für die sichere Bleibe der Apotheke am Platz ist reif. Da braucht man sich kein Hintertürchen offenhalten. Ist der neue Gemeinderat gewählt, kann ihn der OB schnell und abschließend mit der Sache befassen. Die Baustellenstadt hat schon genug Gruben. Es reicht.


(mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)